Agroforst-Potenziale in NRW gemeinsam erkunden"Agroforst – das macht doch nur im Osten Sinn?!" Am 26. und 27. August traf sich das Agroforst-Netzwerk NRW auf Schloss Türnich, um über die Potenziale von Agroforst in Nordrhein-Westfalen zu diskutieren. Akteur:innen aus Landwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft, Beratung, Verbänden und Verwaltung tauschten sich intensiv aus, identifizierten Wissenslücken und entwickelten Ideen für die nächsten Schritte. Schon heute gibt es über 30 Praxisflächen in NRW, auf denen Agroforstsysteme wachsen – von Wertholz-, Energieholz-, Obst- und Nussanbau, sowie Demonstrationsflächen. Agroforst kann dabei je nach Betrieb und Fläche ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen: vom Bodenschutz über die Klimaanpassung bis hin zur Produktion wertvoller Rohstoffe. Entscheidend ist, dass jedes Agroforstsystem an den Betrieb und an die Fläche angepasst wird. Neues Agroforst-Unterrichtsfach in SteinfurtDie Universität Münster plant und gestaltet seit 2024 mit dem Arnoldinum in Steinfurt und dem Familienhof Große-Kleimann einen neuen Wahlpflicht-Unterricht für die 9. und 10. Klasse. Die NRW-Stiftung und der DeFAF unterstützen sie nun, damit der Unterricht nicht nur umgesetzt, sondern auch für andere Schulen als Agroforst-Unterrichtsfach aufbereitet werden kann! Am Arnoldinum heißt das Fach "BioChEk", weil es gleich drei Fächer vereint - zusammen für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Schüler*innen werden darin befähigt, komplexe Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Gesellschaft zu verstehen und Zukunftslösungen zu entwickeln. Durch die Zusammenarbeit mit dem nahegelegenen Agroforstbetrieb passiert nun ein praxisorientierter Unterricht, der wissenschaftliche Methoden und vielfältige Perspektiven auf Nachhaltigkeit in Ernährungssystemen verbindet. Agroforstwirtschaft ist dabei das zentrale Beispiel für eine zukunftsgerichtete Landwirtschaft. Die Ergebnisse und Materialien werden in den kommenden zwei Jahren für andere Schulen zugänglich gemacht. Interessierte Schulen können sich bereits jetzt melden: agroforst-monitoring@posteo.de Klimanpassung im Kreis Steinfurt als WimmelbildWie könnte es aussehen und sich anfühlen, ein gutes Leben im Kreis Steinfurt im Jahr 2040 zu führen? Agroforst zum Hören: Podcast-TippsIn diesen Podcasts gibt es spannende Einblicke in zwei Betriebe in NRW, die sich mit Paulownia, Apfelbäumen und Haselnüssen beschäftigen:
Fachbeitrag: Haubergswirtschaft – eine traditionelle Rotation von forstlichen und landwirtschaftlichen Flächennutzungen
An der Fachhochschule Südwestfahlen im Verbundprojekt „ReForm-regioWald“ wird in insgesamt 10 Arbeitspaketen zur resilienten und nachhaltigen Wiederbewaldung großflächiger abgestorbener Fichtenforste, den so genannten Kalamitätsflächen geforscht. Ziel ist es, innovative Lösungen zu entwickeln, die über den aktuellen „Tellerrand“ hinausgehen und den fachlichen Austausch mit Expertinnen und Experten anregen. Am Rande des Projektes wird auch die gemeinschaftliche Waldbewirtschaftung der sogenannten Haubergswirtschaft im Siegerland betrachtet, dieses ist seit 2018 auch als nationales immaterielles Kulturerbe gelistet. Dabei handelt es sich um ein spezielles Niederwaldsystem, das den Menschen lange Zeit vor allem als Energielieferant sowie für die landwirtschaftliche Zwischennutzung (Viehweide und Ackerbau) diente. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich um ein regeneratives Bewirtschaftungssystem handelte, da die Nutzung durch die sogenannten Haubergsordnungen klar geregelt war. Im Frühjahr 2025 wurden im Rahmen einer Masterarbeit erste Vegetationsaufnahmen der Krautschicht aufgenommen, die Regenwurmdichte erfasst sowie Ziehung von Bodenproben im Museumshauberg in Fellinghausen durchgeführt. Hier erfolgt eine weitgehend traditionelle Bewirtschaftung, nur findet heute keine Beweidung der Flächen mehr statt. Dabei richten sich die Fragestellungen auf die sich ändernde Pflanzenzusammensetzung über die verschiedenen Jahresschläge hinweg und welche Pflanzenarten in einem noch aktiven Hauberg überhaupt vorkommen. Darüber hinaus erfolgt eine Zuordnung der Arten nach SCHMIDT et al. (2011) in Gruppen wie Offenlandarten oder Waldarten, um die Vegetationsstruktur differenziert beschreiben zu können. Mithilfe einer neunstufigen Bewertungsskala für Futterwertzahlen nach BRIEMLE et al. (2001) soll zudem der Futterwert der Probeflächen ermittelt werden. Dabei sollen auch die Grenzen und Möglichkeiten dieses Verfahrens für den Untersuchungsraum aufgezeigt werden. Auf diese Weise lassen sich erste Einschätzungen gewinnen, wie geeignet die Flächen in früherer Zeit für die Beweidung durch das Vieh waren und ob sich die Bewertung der Probenaufnahme für die Fläche überhaupt eignet. Ziel der Arbeit ist es, erste Erkenntnisse über die frühere Bewirtschaftung des Haubergs zu gewinnen und zugleich methodische Ansätze zu entwickeln, die eine fundierte Auswertung für zukünftige Untersuchungen ermöglichen. Eine langfristige wissenschaftliche Begleitung der Haubergswirtschaft dient dem Gewinn von neuen Erkenntnissen zu dieser traditionellen Bewirtschaftungsform. Zusammen können die Ergebnisse eine Möglichkeit sein die Biodiversität im Landschaftsmaßstab zu erhöhen. Perspektivisch ist auch die Entwicklung innovativer Wald-Grünlandrotationen in Mittelgebirgslagen nach dem historischen Vorbild der genossenschaftlich organisierten Haubergswirtschaft vorgesehen. Dazu könnte auch die Entwicklung von Dienstleistungen und Produkten mit dem Attribut „aus Haubergswirtschaft“ gehören. von Fabian Urbitsch und Harald Laser – FH Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft in Soest Blick über NRW hinausInvestitionsförderung: Niedersachsen fördert nun auch Anlage von AgroforstSeit dem 01.07.2025 fördert das Land Niedersachsen die Anlage für Agroforstsysteme mit bis zu 80% der zuwendungsfähigen Kosten. Dazu gehören u.a. Kosten für Beratung, Pflanzmaterial und Verbissschutz. Gefördert werden nur streifenförmige Agroforstsysteme. Damit setzt Niedersachsen ein klares Zeichen für die Förderung von Agroforst und einer klimaresilienten Landwirtschaft. Bisher gibt es die Förderung für die Etablierung nur in Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Mehr dazu hier Neue Handreichung: Erträge und Ernte in AgroforstsystemenEine neue Handreichung von DeFAF und dem KTBL liefert praxisnahe Daten zu Gehölzen in Agroforstsystemen – von Apfel und Birne bis zu Walnuss, Schwarznuss und Baumhasel. Sie zeigt Erträge, Ernteintervalle, Qualitätsanforderungen und Marktpreise auf und unterstützt so landwirtschaftliche Betriebe bei der Planung und Wirtschaftlichkeit ihrer Agroforstsysteme. Die rund 80 Seiten sind besonders hilfreich für alle, die Agroforstflächen planen und etablieren wollen. Hier geht’s zum Download Akzeptanzanalyse der AgroforstförderungDerzeit läuft eine Akzeptanzanalyse zu Agroforstförderungen in NRW. Ziel ist es, ein besseres Bild darüber zu bekommen, wie Förderbeträge und -bedingungen von landwirtschaftlichen Betrieben wahrgenommen werden, um daraus Empfehlungen abzuleiten. Teilnehmen können alle Landwirt:innen, die einen Agrarantrag stellen – Vorerfahrungen mit Agroforst sind nicht erforderlich. Auch wer keinen Agroforst anlegen möchte, kann wertvolle Einblicke liefern. Hier geht es zur Umfrage Termine
Tipp zur WeiterbildungZuletzt ein kleiner Tipp: Naturland hat eine Reihe von Webinaren erstellt und zu Verfügung gestellt. Von Grundlagen über Planungstipps, Finanzierung und Praxisbeispielen ist alles dabei. https://www.youtube.com/watch?v=gH3pYY_CkeU&list=PLuJnMRm_wANAbBN1Yj8QL6YR49wA0mhex
ImpressumDieser Newsletter erscheint quartalsweise im Rahmen des Projektes „Bäuerliche Agroforste – für Biodiversität, Klimaschutz und Strukturvielfalt“ der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Nordrhein-Westfalen e. V. Gefördert wird das Projekt durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen e. V. Wenn Sie diesen Newsletter abbestellen möchten, dann klicken Sie bitte hier.
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