Am 3. Juni diskutierten mehr als 40 Teilnehmende, darunter viele Bäuerinnen und Bauern, bei der Online-Veranstaltung der AbL „Klimabilanz in der Milchproduktion: vom CO₂-Fußabdruck in den Praxisalltag“ über den aktuellen Stand von Klimabilanzen und deren Folgen für die bäuerliche Landwirtschaft. Die beiden Referentinnen, Lisa Fröhlich (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen) und Lisa Oehlert (Landwirtschaftskammer Niedersachsen), machten dabei deutlich: Klimabilanzen allein bedeuten noch kein Klimaschutz. Entscheidend sei die Umsetzung konkreter Maßnahmen, die standort- und betriebsspezifisch ausgestaltet sind.
In der anschließenden Diskussion wurde besonders kritisch gesehen, dass die betriebliche Effizienz häufig als zentrales Bewertungskriterium herangezogen wird. Besonders besorgend ist, wenn Molkereien beginnen, ihre Auszahlungspreise auf Basis solcher Klimabilanzen zu gestalten. Armin Kling, Milchbauer und Vorstandsvorsitzender einer Liefergemeinschaft im Allgäu, berichtet aus Sicht der Praxis:
„Dabei sind Berechnungsgrundlage für die Milchbetriebe nicht nachvollziehbar. Vor allem werden intensiv wirtschaftende Betriebe den höchsten Zuschlag erhalten, weidehaltende Betriebe in weniger gunstreichen Standorten die geringsten, obwohl sie besonders hohe Nachhaltigkeitsleistungen erbringen“.
Kirsten Wosnitza, Milchviehhalterin aus Schleswig-Holstein, wies darauf hin, dass Nachhaltigkeit auch Biodiversität und Artenschutz einbeziehen muss:
„Wenn wir bei Klimaschutz und Nachhaltigkeit vorankommen wollen, brauchen wir dafür gute Instrumente. Während der Fokus fast ausschließlich auf CO₂ und Produktivität liegt, wird die Biodiversitätskrise weitgehend ignoriert. Das darf politisch nicht länger ausgeblendet werden. Landwirtschaftliche Betriebe, die viel für die Biodiversität leisten, kommen so nicht voran oder werden sogar benachteiligt. Nachhaltigkeit geht anders.“
Derzeit entsteht marktgetrieben eine Vielzahl an Klimabilanz-Tools, wodurch der Bedarf an Vereinheitlichung deutlich wird. Dabei braucht es aber politischen Druck für einen kohärenten Ansatz, der über Effizienzkennzahlen hinausgeht und die Umweltleistungen vielfältiger bäuerlicher Betriebe berücksichtigt.
Diese Aspekte werden in der folgen Veranstaltung am 17. Juni (19:30 bis 21 Uhr) weiter diskutiert, mit einem Fokus auf Nahrungskonkurrenz und Nutzung von Grünland. Die Anmeldung erfolgt durch diesen Link: AbL e.V.: Klimabilanzierung.
Kontakt:
Emma André, Klima Referentin der AbL
andre[at]abl-ev.de
