Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Projekts „Bäuerliche Agroforste“, gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, organisiert. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in den Haselnussanbau auf dem Betrieb und besichtigten anschließend die Technik zur Weiterverarbeitung der Nüsse.
Haselnüsse als Ergänzung im Betrieb
Rund 120 Haselnusssträucher werden hier angebaut. Gepflanzt wurden etwa 120 cm große Setzlinge verschiedener Sorten – darunter Emoa 1, Corabel, Hallesche Riesennuss und Butler – im Abstand von fünf mal fünf Metern auf sandigem Boden. Die Sträucher sind auf Baumhasel veredelt und werden als Hohlkrone erzogen, sodass ausreichend Licht in die Krone gelangt. Die Pflanzen können rund 30 bis 40 Jahre auf der Fläche stehen.
Nach der Pflanzung dauert es etwa fünf bis sechs Jahre bis zur ersten Ernte. Der Betrieb rechnet mit etwa fünf Kilogramm Nüssen pro Strauch im Jahr, wobei die Erträge bislang noch schwanken. Eine mögliche Ursache liegt in einer unzureichenden Bestäubung, die stark von der Witterung abhängig ist und durch den Wind erfolgt.
Die Kulturführung erfolgt mit vergleichsweise moderatem Aufwand. Beikräuter werden reguliert, einmal jährlich wird mit Langzeitdünger gedüngt. Bei Bedarf erfolgt eine Bewässerung über Sprenkler am Stamm. Gegen den Haselnussbohrer nutzt der Betrieb engmaschige Netze, die bereits im Juli ausgelegt werden und später zugleich bei der Ernte helfen. Dennoch bleiben etwa fünf Prozent der Nüsse hohl oder werden von Schädlingen beschädigt.
Ernte, Verarbeitung und Vermarktung
Die Ernte beginnt meist Mitte September und dauert etwa zwei bis drei Wochen. Zwei- bis dreimal fährt ein spezieller Sauger durch die Reihen, der die am Boden liegenden Nüsse aufnimmt, Blätter und Zweige aussortiert und die Früchte direkt in Säcke abfüllt. Die zuvor ausgelegten Netze sorgen dafür, dass die Nüsse zur Mitte rollen und leichter aufgenommen werden können.
Ein Teil der Ernte wird direkt auf dem Hof weiterverarbeitet. Dafür stehen unter anderem Trocknungsanlagen, Sortierer, Knackmaschinen und Röster bereit. Neben ganzen und geknackten Nüssen entstehen so auch geröstete Haselnüsse, Haselnussmus, Öl, Likör oder eine hofeigene Nuss-Nougat-Creme. Vermarktet werden die Produkte vor allem über den Hofladen und den hofeigenen Onlineshop.
Die Idee zum Nussanbau entstand aus dem Wunsch heraus, das Sortiment um eine Kultur zu erweitern, die weniger handarbeitsintensiv ist als die bisherigen Schwerpunkte des Betriebs mit Spargel, Erdbeeren und Blaubeeren.
Nussbäume im Agroforst – Chancen und Grenzen
Ein weiterer Schwerpunkt der Exkursion war die Frage, welche Rolle Nussgehölze in Agroforstsystemen spielen können. Agroforst bezeichnet Bewirtschaftungssysteme, in denen Bäume oder Sträucher gezielt mit landwirtschaftlicher Nutzung auf derselben Fläche kombiniert werden. Häufig werden Baumreihen so angelegt, dass zwischen ihnen weiterhin Ackerbau betrieben, Grünland genutzt oder Tiere gehalten werden können.
Nussgehölze gelten grundsätzlich als interessante Option für solche Systeme. Sie liefern hochwertige Lebensmittel und können über Jahrzehnte genutzt werden. Gleichzeitig erschließen ihre tiefreichenden Wurzeln Wasser und Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten, während Ackerpflanzen eher den Oberboden nutzen.
Gleichzeitig wurde auch deutlich, dass der wirtschaftliche Haselnussanbau bestimmte Anforderungen stellt. Einige Arbeitsschritte – etwa Pflanzenschutzmaßnahmen oder die maschinelle Ernte – lassen sich in dichter gepflanzten Anlagen deutlich einfacher organisieren. Werden die Reihen weiter auseinander gesetzt, um zwischen ihnen andere Kulturen anzubauen oder Grünland zu nutzen, kann dies die Arbeitsabläufe erschweren.
Eine etwas andere Rolle können Walnüsse in Agroforstsystemen spielen. Walnussbäume werden meist von Anfang an auf ihrem späteren Endabstand gepflanzt. Da sie jedoch vergleichsweise langsam wachsen und viele Jahre benötigen, um ihre endgültige Größe zu erreichen, bleibt zwischen den Bäumen zunächst viel Raum. Diese Flächen können über längere Zeit weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden – etwa für Ackerbau oder Grünland – während sich der Walnussbestand entwickelt.
Walnüsse noch im Aufbau
Auch auf Gut Böckenhoff werden Walnüsse angebaut. Die Anlagen befinden sich derzeit noch in der Aufbauphase und tragen bislang noch kaum. Gepflanzt wurden die Sorten Lara und Chandler auf zwei Flächen. In den kommenden Jahren sollen hier erste Erfahrungen mit Kulturführung, Ernte und Weiterverarbeitung gesammelt werden.
Zum Abschluss der Exkursion versammelten sich die Teilnehmenden noch einmal im Hofladen des Betriebs. Dort konnten sie unter anderem die Röstanlage für die Haselnüsse aus nächster Nähe betrachten und weitere Fragen zur Verarbeitung und Vermarktung stellen. Danach nutzten viele die Gelegenheit, sich selbst durch das Sortiment zu probieren: Neben verschiedenen Haselnussprodukten wanderte auch der erste frische Spargel der neuen Saison in zahlreiche Einkaufstaschen – ein passender Ausklang für einen praxisnahen Einblick in eine noch junge, aber vielversprechende Kultur in NRW.
Bildmaterial: https://nextcloud.bauernstimme.de/index.php/s/53oaMCKZAFnrgpL
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Projekt „Bäuerliche Agroforste“
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
Landesverband Nordrhein-Westfalen e. V.
E-Mail: nrw[at]abl-ev.de
Telefon: 0157 5711 3809
Website: www.abl-nrw.de
Über die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Nordrhein-Westfalen
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V., Landesverband Nordrhein-Westfalen, vertritt Bäuerinnen und Bauern von mehrheitlich kleinen und mittelgroßen konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben. Der gemeinnützige Verein setzt sich für eine bäuerliche, soziale und umweltverträgliche Landwirtschaft ein. Weitere Informationen unter www.abl-nrw.de.
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