Resiliente Höfe, widerstandsfähige Landschaften - Positionspapier Agroforst

Die Landwirtschaft steht unter massivem Anpassungsdruck durch Klimawandel, Extremwetter und Bodenverlust. Agroforstsysteme, also die gezielte Integration von Bäumen und Sträuchern in Acker-, Grünland- und Weidesysteme, sind deshalb ein zentraler Baustein einer zukunftsfähigen Agrarpolitik.

Europa erwärmt sich schneller als lange prognostiziert. Problematisch sind nicht einzelne heiße Tage, sondern die anhaltende Temperaturverschiebung nach oben in Verbindung mit einer Zunahme von Extremwettereignissen. Hitzewellen dauern länger, treten häufiger auf und fallen intensiver aus. Bereits ab etwa 35 °C stellen empfindliche Kulturen wie Kartoffeln oder Kohl ihr Wachstum weitgehend ein; auch Getreide reagiert mit Ertragseinbußen auf anhaltende Hitze- und Trockenstressphasen. Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse zu und verschärfen Erosion sowie Nährstoffverluste.

Vor diesem Hintergrund ist der Kühlungseffekt strukturreicher Agrarlandschaften kein Zusatznutzen, sondern eine zentrale Anpassungsstrategie. Bäume und Sträucher senken durch Verschattung und Verdunstung die Umgebungstemperatur, stabilisieren das Mikroklima und halten Wasser länger in der Landschaft. Sie reduzieren Hitzestress, verbessern die Infiltration bei Starkregen und tragen zum Schutz der Grundwasservorräte bei.

Die Umsetzung solcher Systeme wird jedoch durch rechtliche Unsicherheiten im Bundesnaturschutzgesetz – insbesondere bei der Auslegung von § 5 und § 14 – erschwert, wenn Pflanzung, Pflege oder Nutzung von Gehölzen als möglicher „Eingriff“ gewertet werden.

Angesichts der beschleunigten Erwärmung müssen klimaresiliente Landschaftsstrukturen Vorrang erhalten. Der Schutz von Grundwasser, die Kühlung der Landschaft und die Sicherstellung der Nahrungsmittelproduktion sind zentrale öffentliche Interessen. Naturschutzrechtliche Vorgaben dürfen der Etablierung von Agroforst daher nur in klar definierten Ausnahmefällen entgegenstehen.

Die AbL fordert daher Rechtssicherheit und eine zügige politische Weichenstellung für den Umbau hin zu klimaresilienten, strukturreichen Agrarlandschaften.